Fair Handeln – Was heißt das?

Dom Helder Camara

"Wenn die Länder des Überflusses den armen Ländern gerechte Preise für ihre Produkte zahlen würden, könnten sie ihre Unterstützung und ihre Hilfspläne für sich behalten."

Dom Helder Camara
* 1909     † 1999

"Bischof der Slums" von Recife/Brasilien
Anhänger der Befreiungstheologie

Was der große Menschenfreund Dom Helder Camara vor vielen Jahrzehnten formuliert hat, ist nach wie vor aktuell und auch heute noch die Grundüberzeugung der meisten Aktiven, die sich im Fairen Handel engagieren. Aber leider immer noch nicht das Prinzip der Weltwirtschaftsordnung.

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Dritte-Welt-Läden
Eine-Welt-Läden


oder einfach: Weltläden

wollen zeigen, dass ein anderes Wirtschaftsmodell möglich ist: seit über dreißig Jahren arbeiten diese "etwas anderen" Läden kontinuierlich an der Stärkung des Fairen Handels in Deutschland.

Ca. 400 Weltläden in Deutschland haben sich zum Weltladen-Dachverband zusammengeschlossen. Und 1997 die "Konvention der Weltläden" verabschiedet.


Die "Konvention der Weltläden" charakterisiert den Fairen Handel wie folgt:

Der Faire Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt.

Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte Produzenten den Ländern des Südens leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.

Der Faire Handel zeigt beispielhaft auf, wie die ökonomischen, ökologischen und sozialen Rahmenbedingungen innerhalb des Weltwirtschaftssystems verändert werden können und leistet dadurch einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die weltweite Armut.

Die Organisationen des Fairen Handels arbeiten besonders mit KleinproduzentInnen zusammen mit dem Ziel, deren wirtschaftliche Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu erreichen.


"Grundsätze des Fairen Handels":


Chancen für wirtschaftlich benachteiligte Produzenten schaffen

Fairer Handel ist eine Strategie zur Linderung von Armut und zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung. Er soll Chancen für Hersteller schaffen, die wirtschaftlich benachteiligt oder vom bestehenden Handelssystem an den Rand gedrängt worden sind.


Zahlung eines fairen Preises

Der Preis soll im Dialog zwischen den Handelspartnern festgelegt werden und unabhängig von den Schwankungen der Weltmarktpreise stets die Produktionskosten decken, die Existenz der Produzenten sichern, eine sozial gerechte und umweltverträgliche Produktion ermöglichen. Darüber hinaus wird oftmals eine Prämie bezahlt, mit der die Bauern oder Arbeiter gemeinschaftliche Projekte zur langfristigen Verbesserung ihrer Situation umsetzen können. Bei Bedarf werden Vorfinanzierungen gewährt.


Sozialverträgliche Arbeitsbedingungen

Das Arbeitsumfeld muss sicher und gesundheitsverträglich sein. Ausbeutung, Kinder- und Sklavenarbeit ist verboten. Die Gewerkschaftsfreiheit muss gegeben sein.


Gleichberechtigung von Frauen

Frauen werden immer für ihren Beitrag im Herstellungsprozess angemessen bezahlt und innerhalb ihrer jeweiligen Organisationen gestärkt.


Aufbau von Kapazität und Know-how

Fairer Handel soll die Produzenten unabhängiger machen und sie befähigen, sich auf dem Markt zu behaupten.


Transparenz und Verantwortung

Fairer Handel bedeutet transparente Geschäftsführung und kommerzielle Beziehungen, um fair und respektvoll mit Handelspartnern umzugehen.


Umweltschutz

Ökologische Landwirtschaft ist nicht zwingend vorgeschrieben, wird jedoch gefördert. Bestimmte besonders umweltschädigende Pestizide sind im Anbau untersagt.


Quinua      Kaffeeleserinnen

Meilensteine des Fairen Handels


1970     Hungermärsche der kirchlichen Jugendverbände, um Solidarität mit den Menschen in der
            Dritten Welt zu demonstrieren – Beginn der "Aktion Dritte Welt Handel".

1973     Gründung des ersten Dritte-Welt-Ladens (in Stuttgart).

1975     Gründung der GEPA (Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt
            mbH). Gesellschafter sind die Hilfswerke und die Jugendverbände der beiden großen
            Kirchen sowie die AG3WL (Arbeitsgemeinschaft der Dritte-Welt-Läden).

1978     "Jute statt Plastik"         Jute Nica       1980     Nicaragua-Solidaritäts-Kaffee

1986     Markteinführung des weltweit ersten zertifizierten Bio-Tees durch die GEPA und Einführung
            des ersten Bio-Kaffees (Mexico).

1990     erste Weltläden in der DDR (z.B. "Baobab", Prenzlauer Berg)

1992     Gründung von TransFair e.V. Der Verein legt Kriterien für das Fairtrade-Siegel fest und
            vergibt es für fair gehandelte Produkte. Die Ausweitung des Fairen Handels in den
            "Normalhandel" (Supermärkte) wird dadurch möglich.

1996     Erster "Europäischer Weltladentag"
            Die Weltladen-Bewegung in Europa organisiert regelmäßig Kampagnen zu aktuellen
            Welthandelsproblemen.

1998     aus der AG3WL wird der "Weltladen-Dachverband":
            die Mitgliedsläden unterzeichnen die "Konvention der Weltläden".

2001     Das "Forum Fairer Handel" organisiert die erste "Faire Woche".

2009     Die "Öko-Fair-Studie", gemeinsam von Naturland e.V. und dem Weltladen-Dachverband
            herausgegeben, belegt: Ökologischer Landbau und Fairer Handel können die
            Ernährungssicherheit und die nachhaltige Entwicklung in Entwicklungsländern
            grundlegend verbessern.